Bum Khun Cha Youth

Hundeliebe - Januar 2012
Es sah ja eine ganze Weile nicht danach aus, als würden die KIESGROUP und Tumbleweed zueinander finden. Das es dann doch noch geklappt hat, freut mich sehr. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mir Daniel Decker in Leipzig das letzte Album “Das Leben als Umweg zwischen Nichts und Nichts” in die Hand drückte. Die Songs begleiteten mich dann 2007 und 2008 und beeindruckten mich nachdrücklich. Als ich dann Max und Vander persönlich kennenlernte, waren unsere drei Egos so riesig, dass es noch eine ganze Weile dauerte, bis wir uns berührten. Jetzt ist “Shantychrist” da und hat alles, was den Vorgänger schon so geil gemacht hat. Andreas Hubert van der Wingen steckt bis über beide Ohren im Sumpf. Er textet sich um Kopf und Kragen und lässt dich mit der Nase rümpfen, stolpern und weinen. Mehr kann man von deutscher Popmusik heute nicht mehr verlangen.
KIESGROUP // “Shantychrist” // CD-Album // Tumbleweed/Broken Silence // VÖ: 20.01.2012

Ebenfalls wieder am Start sind BUM KHUN CHA YOUTH mit der CLIQUENEDITION #2. Diesmal zusammen mit JENS FRIEBE. Dieser verwirklichte sich mit seinem Stück einen großen Traum: Endlich auf englisch mal Sauereien texten. So heißt sein Song dann auch “(I’m not born for) plot driven porn”. Featuring Vera Kropf (von der Band Luise Pop) sowie mit Hilfe von Chris Imler (von u.a. Driver & Driver). Bum Khun Cha Youth packen weiter aus und präsentieren “Finger weg vom Aupair”, ein Stück, welches sich explizit auf Jens Friebe getextet sieht, bzw. ein Zitat von dessen Mutter darstellt. Es half seinerzeit aber nichts. Jens und das Aupair wurden ein Paar. Hier die Powerpopballaden-Hommage von Bum Khun Cha Youth dazu. Weiterhin schickes Artwork der Künstlerin Meike Wolf! Limitiert!
CLIQUENEDITION #2 // BKCY vs. JENS FRIEBE // Split 7″ // Tumbleweed/F13/Broken Silence // VÖ: 03.02.2012

Endlich auch digital erhältlich sind die letzten Veröffentlichungen von THE TRUTH ABOUT und AUßER ICH, sowie die CLIQUENEDITION #1. Unten die Links zu Finetunes. Sollten aber nun auch auf allen anderen relevanten Plattformen verfügbar sein.
AUßER ICH - “Von Vornherein Schade”
THE TRUTH ABOUT - “The Way We Move”
CLIQUENEDITION #1 - BKCY vs. QUASI ZOMBIE

BKCY / Quasi Zombie - Cliquenedition #1Ich würde ja gerne etwas über mein MRT schreiben, aber wenn interessieren Zivilisationskrankheiten, wenn Sensationen wie diese passieren: Die heilige Allianz Volkmann/Nachtigall veröffentlicht wieder Tonträger. Geboten wird eine Split-7″-Reihe, jeweils BKCY mit einem weiteren Künstler. Los geht es mit der CLIQUENEDITION #1 und diesmal dabei ist der Kölner Elektro-/Indiepop-Frickler QUASI ZOMBIE. Die Scheibe ist in Kürze erhältlich bei Flight 13 und in ausgewählten Schallplattenläden. Digital gibt es auch, aber später. Termin asap. Ach ja, die 7″ kommt mit einem Downloadcode und ist limitiert. In den freien Handel gelangen nur ca. 150 Exemplare.
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CLIQUENEDITION #1 // Split-7″
Bum Khun Cha Youth - “Google+”
Quasi Zombie - “Facebook”
VÖ: 28.10.2011
Flight 13/Tumbleweed/Broken Silence

Ich finde immer einen Hund der mich liebt.

Ich finde immer einen Hund der mich liebt.

Dieses Jahr läuft so durch. Die Monate Dezember bis Juli, wie hinter einem Vorhang. Das Aufarbeiten klappt, beruflich und privat. Der innere und der reale Schreibtisch leert sich und eine Ahnung von Alltag kehrt ein. Ab 05. September bin ich nun entgültig wieder in Köln. Das Tumbleweed-Büro zieht um und es wird Zeit wieder dort abzuhängen. Unsere letzten beiden Veröffentlichungen, die EP von THE TRUTH ABOUT - “The Way We Move” und das Album von AUßER ICH - “Von Vornherein Schade”, haben mich auf eine besondere Art und Weise durch die letzten Monate begleitet. Ich weiß nicht, wie oft ich mit “Achterbahn” im Auto in den Tag gestartet bin. Danke Musik.

Über die kommenden vier Veröffentlichungen freue ich mich ganz besonders. Das neue Album “Shantychrist” der KIESGROUP pendelt zwischen (immer noch) pubertärem Größenwahn und nahezu grenzperfektem Songwriting. Vander das tiefgründige Terrorbärchen. Tolles Album! Auf “Weißer Wal” von DANIEL DECKER werden wir noch etwas warten müssen. Das Einhorn ist gerade sehr mit anderen Dingen beschäftigt und hat - verständlicherweise - wenig Zeit. Ich hoffe sehr auf einen Release im Januar 2012. Schneller wird die Split-7″ von BUM KHUN CHA YOUTH und QUASI ZOMBIE am Start sein. Uli hat anscheinend die Kurve gekriegt und abgeliefert. Bin gespannt! Das Teil kommt definitiv noch in diesem Jahr. Und es bahnt sich eine kleine Sensation an. Die beiden Trümmerfrauen von GRAFZAHL haben ihr mündliches OK gegeben und ich werde die Spuren des neuen, bisher unveröffentlichten Albums ihrer Bestimmung zuführen und sie mischen und mastern. Wenn das klappt, lecke ich einen gebrauchten Staubsaugerbeutel aus.

[26 Okt 2007 | Bum Khun Cha Youth, Infos ]

BKCY - das sind Ulrich Nachtigall und Linus Volkmann aus Köln. Einst hatten sie eine Skihütten-Indie-band, aber das Verstärkerschleppen und Gitarrespielen war einfach eine zu große Zumutung für die zwei sensiblen Blitzlichtluder mit den Kabelarmen und Streichholzbeinen. Es gibt daher elektronische Musik in dem Spannungsfeld zwischen Digitalism und Blümchen.

“Alarm!  Hanns-Martin ist verschwunden.” ist ihre erste Platte. In den elf Jahren Bandbestehens zuvor, erschienen bereits zwei 7“-Singles und die Mini-LP “Unendliche Freiheit”. Der große Radiohit aus den Neunzigern “Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu lieben, Schatz?” findet sich dem aktuellen Album als Bonus im Original angehängt.

Noch mehr zu sagen? Ja, klar. Und das tut nun der Ex-Tennis-Profi Thomas Venker aus Stuttgart:

Lesen auch Sie, was ich gerade gelesen habe: Die Sätze, die die Band uns, den Hörern, im Booklet ihres Albums “Alarm, Hanns-Martin ist verschwunden” mit auf den Weg geben. Und schon wissen Sie, warum ich mit dem folgenden das Info einleiten will - und nicht mit dem erwartbaren Punk-Indie-Bohemian-Lebensstilreport der beiden Kölner. Den kann man sich googeln, die Kontextualisierung des Leitmotivs RAF soll mein Job bei der Nummer sein. Ein angenehmer.

Denn all diese RAF-Bezüge, die wir auf “Alarm, Hanns-Martin ist verschwunden” finden, sie sollen keineswegs schocken und rocken wie beispielsweise Baader-Meinhof-Rückgriffe in der Britischen Industrialszene Ende der 70er - wobei man dies jenen Bands gar nicht vorwerfen kann, zu gering war die zeitliche Distanz als dass sie die Abstraktion hätten leisten können. Aber heute, 30 Jahre nach dem Deutschen Herbst, bedarf es mehr als des name droppings, man muss sich positionieren. Volkmann und Nachtigall tun das. Sie wollen nicht nur catchy Slogans über grellbunte Keyboardlines legen, sie treten gegen das Arschloch Meinungspluralismus an. Sie zeigen, dass die RAF nicht mit einer absoluten Position und eben solcher Sicherheit zu beurteilen ist, sondern ein vielschichtiges Phänomen deutscher Geschichte ist, an dem viel kritisiert werden kann und muss (gerade auch die antisemitistischen und sexistischen Tendenzen, die Künstler sprechen es im Booklet an), aber eben auch der ernst gemeinte Versuch unternommen werden sollte, sich die Ereignisse jener Tage bewusst zu machen, zu erinnern und aufzuarbeiten, die historischen Ereignisse und die Positionen der Protagonisten, ihre Visionen.

Schuld und Sühne also. Das Thema des Jahres 2007. Und so sehr man sich freut, dass die Medien abseits von Britney Spears menschlicher Tragödie und den letzten Zuckungen von fragwürdigen Starkonstruktionen wie Anna Nicole Smith endlich mal wieder einem richtigen Thema widmen, so sehr geht einem doch auf den Sack, was man da so lesen muss an arrogantem Duktus, gespeist mit der Gewinnerpose in der xten Generation. Die Diskussion über die “vorzeitige” Haftentlassung, die Gnadengesuche von Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, machte deutlich, warum es gut ist, dass es dieses Album gibt: Um daran zu erinnern, dass jede Geschichte mehrere Auslegungen hat, je nach Erzähler. Gefährliches Terrain, ich weiß. Denn wenn wir über beispielsweise - und da es in diesem Kontext so gut passt  - über Hitlerdeutschland sprechen, dann komme mir keiner mit differenzierter Sicht der Dinge - denn so sehr die Rückkehr zum Neuen Deutschen Selbstbewusstsein, die dieser Tage around ist (sei es in Form von Fahnen bei der WM oder Geseiere aus einem weißen Vanity-Fair-HQ) so elend ist sie auch.

Die RAF ist trotz ihrer - in der Diskussion gern unterschlagenen - Gesellschaftsutopie, die an sozialistische Ideen andockte, ohne Hitlerdeutschland nicht denkbar gewesen. Sie ist in ihrem elementarsten Kern auch ein Dagegenhalten gegen das zurück zu alten Strukturen, das Weitermachenlassen der Schuldbeladenen. Insofern ist es grob fahrlässig, und auch nicht nachvollziehbar, wie jemand wie Jan Philipp Reemtsma die RAF als lokale Gruppenpose a la Dostojewskijs “Dämonen” (jetzt neu “Böse Geister”) zeichnen kann (so geschehen in einem vor Selbstzufriedenheit nur so triefendem Beitrag in der Zeit vom 8. März dieses Jahres). So leicht kann man die Protagonisten jener Epoche, die bis heute, das zeigt ja die aktuelle Debatte, das Land aufwühlt, nicht abkanzeln, mal davon abgesehen, dass es auch politisch ein bedenklicher Akt ist. Außerdem stellt die RAF nicht nur ein singuläres deutsches Phänomen dar, sondern sah sich eingebettet in eine globale Bewegung, motiviert auch von den Tupamaros in Uruguay, Freiheitskämpfern in Mittel- und Südamerika. Hochgeputscht von dem (verrinnenden) Kairos der Studentenbewegung und den alles möglich erscheinenden Ereignissen jener Tage. Ihre Vision von Räterepublik, Internationalismus und Kommunismus sollte die von der Propaganda der Tat aktivierte Bevölkerung mit in die Verantwortung ziehen, mobilisieren für einen anderen, gerechteren Entwurf.

Aber kommen wir zurück zur Bum Kun Cha Youth. Man kann dieser bei oberflächlicher Rezeption des Werks unterstellen, dass sie schändlichen Populismus für Linksradikale betreibe, oder auch nur, dass sie eine Käsepizzavariante dessen zum reinen Spaßkick abliefere. Aber das wird ihnen genauso wenig gerecht wie Reetsmas Worte zutreffendes über die RAF sprechen. Nur woran liegt das? Die RAF legte den Finger in die größte Identitätswunde, die dieses Land besitzt: Die Nazivergangenheit und deren inkonsequente Aufarbeitung. Natürlich sagte ihr, wie jedem guten Linken, der Kapitalismus als Prinzip nicht zu, da er, selbst wenn er noch so viel hinausposaunte Soziale Marktwirtschaft zur Seite gestellt bekommt, letztlich doch immer weiter die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert - aber das war nicht ihr Hauptanliegen, auch wenn  Christian Klar sich in seiner aktuellen Grußbotschaft an die Rosa-Luxemburg-Konferenz damit auseinandersetzt, nein, ihr Hauptanliegen war doch ganz klar die Kritik an den beibehaltenen Verhältnissen, dem Laissez Fair, mit dem aus Angst vor fehlendem Aufschwung und längerer Zeit der Buße und des Leids (und sie wäre verdient gewesen) einiges schneller vergessen wurde, als es Recht war, einige schneller - ja überhaupt - wieder eingegliedert wurden in das soziale Leben, die mit soviel Schuld beladen waren, dass sie statt nach Argentinien reisen zu dürfen, um erste neue Deals zustande zu bringen (mit Geldern, deren Herkunft keiner so genau wissen wollte) für immer in Demut Soziale Dienst hätten ableisten müssen oder noch besser im Knast Tellerwaschen. Wie zynisch mag dieses Deutsche Wirtschaftswunder für all jene gewirkt haben, die so unterDeutschland haben leiden müssen?

Ob aus all dem das Recht zu einem Kriegszustand ableitbar ist, die Argumentation auf der Otto Schily seine Verteidigung der angeklagten im Stammheimer Prozess aufbaute, sei vertagt, dafür ist das hier nicht der Rahmen. Nur dieses Gedankenexperiment sei an der Stelle zugelassen: Wer fühlt, dass noch immer die Protagonisten des Nationalsozialismus am Schaltpult sitzen, der wär ein schlechter Demokrat, wenn er nicht dagegen angehen würde - auch wenn “der gute Demokrat” kein Maßstab gewesen ist, an dem die RAF etwas habe bemessen wollen. Damit sei weiterhin nicht gesagt, dass Gewalt der Weg ist. Keineswegs. Aber es ist gesagt, dass man all diese Gesichtspunkte nicht wegschieben sollte und kann.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie nicht all das sofort wiederfinden in der Musik der Bum Khun Cha Youth. Das hier ist Popmusik, ein Ort, der Gefahr läuft, dem System letztendlich zuzuarbeiten, da er Eskapismus fördert - das wissen wir nicht erst seit Adorno - aber eben auch subtile Kommunikationskanäle für mehr bietet. Also lauschen Sie gut.

Thomas Venker // Sommer 2007